Ein nachdenkliches Wort zum Schluß

Unsere genetische Untersuchung und die vielen Gespräche mit meinen Patienten haben mir gezeigt, daß das Interesse an der genetischen Klassifizierung sehr groß ist. Dies war auch mit ein Grund, diesen Beitrag zu verfassen.
Ich möchte jedoch davor warnen, alles nur an der genetischen Klassifizierung festzumachen. Im Mittelpunkt steht der Betroffene, das Kind, nicht die Genveränderung.

Sie haben aus den Ausführungen sehen können, daß eigentlich alle Albinismus-Formen mit allen möglichen Graden der Pigmentierung einhergehen können. Die früher für allgemeingültig gehaltene Einteilung von "OCA1 = kein Pigment = "schlechter" und "OCA 2 = mehr Pigment = "besser" ist nicht mehr haltbar.

Wir sollten auch den Kindern mit OCA 1 nicht deswegen, weil sie nun zufällig OCA 1 haben, mit zuwenig Hoffnung auf gute visuelle Entwicklung gegenüberstehen, da sich die innere Einstellung der Eltern unbewußt auch auf das Kind überträgt. Auch bei OCA 1 wurden Sehschärfen von bis zu 70% beschrieben. Die Einstellung "OCA1 = schlechtere Form" verleitet dazu, aus Resignation nicht genügend Energie in die Förderung zu setzen.
Genauso wenig sollten Eltern automatisch, weil das Kind OCA 2 oder OA hat, zuviel von der visuellen Entwicklung erwarten, ein zu hoher Erwartungsdruck wird vom Kind auch gespürt. Entsprechend zu den Ausnahmen nach oben bei OCA 1 gibt es bei OCA 2 und OA auch Ausnahmen nach unten, bei denen die Sehschärfe nicht über 10% geht. Die Einstellung "OCA2 / OA = bessere Form" verleitet dazu, die Sache zu leicht zu nehmen und deshalb nicht genügend Energie in die Förderung zu setzen.

Jedes Kind braucht, ungeachtet seiner speziellen Genveränderung, die vorbehaltlose, positive Förderung durch seine Eltern, um seine Fähigkeiten wirklich voll entwickeln zu können. Diese positive Förderung durch die Eltern gelingt am besten, wenn übersteigerte Ängste und überzogene Hoffnungen möglichst als solche von den Eltern erkannt, überdacht und - soweit möglich - aus dem Umgang mit dem Kind ausgeklammert werden.

Sie helfen Ihrem Kind am besten, wenn Sie es ungeachtet jeder Klassifikation möglichst optimal fördern. Brillen, Frühförderung, Kontaktlinsen, Abklebe-behandlung .... Sie haben einen wesentlichen Einfluß auf die spätere Sehschärfe Ihres Kindes, nicht die Klassifikation!

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