Augenbefunde bei Albinismus
Das
fehlende oder zu wenig angelegte Pigment hat eine Vielzahl von Veränderungen
am Auge zur Folge, die sich auf die Sehfunktion auswirken.
Sehbehinderung
bei Albinismus
Prinzipiell sind alle Strukturen im Auge regelrecht angelegt,
es fehlt aber das Pigment (Farbstoff)
in den einzelnen Zellen. Dies wirkt
sich an 3 Stellen besonders aus:
1.
Iris (Regenbogenhaut) mit erhöhter Blendungsempfindlichkeit aufgrund der
fehlenden Pigmente.
2. Netzhautmitte
(Macula, Stelle des schärfsten Sehens). Die Stelle des schärfsten Sehens
kann
sich durch das fehlende Pigment nicht entwickeln. Durch die fehlende Stelle des
schärfsten Sehens kommt es zu einem Nystagmus (Augenzittern), das Auge "sucht"
sich die
möglichst optimalen Netzhautstellen um den Bereich der fehlenden
Macula herum.
3. Sehnerv,
die Sehnerven beider Augen haben bei Albinismus einen veränderten Verlauf durch
das Gehirn. Dies ist der Grund dafür, daß sich häufig ein Schielen und ein fehlendes
räumliches
Sehvermögen findet.
Bei
Albinismus handelt es sich um eine Sehbehinderung, die mit einer Verminderung
der
zentralen Sehschärfe einhergeht. Anders als bei anderen Sehbehinderungen
ist das Gesichtsfeld
(das Sehen nach den Seiten hin) und das Farbensehen
normal. Auch das Formen- und
Bewegungssehen ist regelrecht.
Iris (Regenbogenhaut)
Die Hypopigmentation
führt zu einer Durchleuchtbarkeit der Iris durch das fehlende Pigment.
Die
Irisfarbe kann abhängig vom Typ des Albinismus variieren von blau, blaugrau bis
zu braun.
Durch die Durchleuchtbarkeit der Iris kommt es (neben dem fehlenden
Blendungsschutz durch
das retinale Pigmentepithel) zu einer deutlichen Blendungsempfindlichkeit
(Photophobie).
Die gesamte Iris ist durchscheinend, dies wird bei durchfallendem
Licht besonders deutlich.
Es gibt aber auch viele mildere Ausprägungen, bei
denen die Iris nur wenig durchleuchtbar ist,
die Blendungsempfindlichkeit
ist dann auch geringer.
Netzhaut und Stelle des schärfsten Sehens (Netzhautmitte)
Die
zu geringe Pigmentierung der Netzhaut führt zu einem deutlich hellen Aspekt des
Augenhintergrundes. Durch das fehlende Pigment kann sich in den ersten Lebensjahren
die Stelle des schärfsten Sehens (Fovea, Macula, siehe auch Teil "Gelber
Fleck") nicht adäquat
entwickeln. Dies führt zu der bekannten Sehbehinderung,
wobei das Ausmaß der Sehminderung
nicht immer mit dem Typ des Albinismus
korreliert.
Sehnerv, Sehnervenkopf und Verlauf des Sehnerven
Der
Sehnervenkopf zeigt bei Albinismus nicht selten deutliche Auffälligkeiten.
Zudem findet sich bei Albinismus immer ein veränderter Verlauf der Sehnerven im
Gehirn.
Üblicherweise kreuzen 30% der Fasern jedes Optikus zur Gegenseite,
bei Albinismus
kreuzen etwa 70% der Fasern. Es wird vermutet, daß diese atypische
Kreuzung neben
der Sehbehinderung zur hohen Häufigkeit von Schielen bei Albinismus
beiträgt.
Schielen (Strabismus)
Etwa 75% der
Patienten mit Albinismus zeigen einen Strabismus, Strabismus ist somit
noch
häufiger als sonst üblicherweise bei angeborener Sehbehinderung.
Nystagmus (Augenzittern)
Wie bei allen
angeborenen Sehbehinderungen kommt es auch bei Albinismus in der Regel
zu
einem horizontalen Pendel- bis Rucknystagmus. Der Nystagmus erscheint üblicherweise
zwischen dem 2. und 3. Lebensmonat, wird häufig in den ersten 4 Lebensjahren
etwas
beruhigt und erreicht dann seine endgültigen Werte. Manchmal nehmen
Patienten eine
Kopfzwangshaltung ein, um so in einer Neutralregion den Nystagmus
zu beruhigen.
Einzelheiten hierzu siehe Abschnitt Nystagmus.
Brechungsfehler (Weitsichtigkeit, Kurzsichtigkeit)
Bei
Albinismus sind in der Regel hohe Brechungsfehler assoziiert, etwa zwei Drittel
der Patienten
zeigen einen eine Weitsichtigkeit und eine Hornhautverkrümmung,
ein Drittel ist kurzsichtig.
Verzögerte
visuelle Reifung
(Verzögerte Sehreifung in den ersten Lebensmonaten)
Ein
häufiger Befund bei Albinismus ist eine verzögerte visuelle Reifung, die durch
eine fehlende Fixationsaufnahme in den ersten Lebensmonaten charakterisiert ist.
Die Babys reagieren und agieren, als ob sie blind wären. Die Fixationsaufnahme
beginnt in der Regel zwischen dem 5. und 7. Lebensmonat, die später erreichte
Sehschärfe wird nicht dadurch beeinflußt,
ob eine verzögerte visuelle Reifung
vorlag oder nicht. Es wird vermutet, daß die verzögerte
visuelle Reifung
hervorgerufen wird durch das fehlende Pigment und die damit verbundene
verzögerte
Ausbildung neutraler Bahnen im Gehirn.